Die fünf Sterbephasen des OS10

Die fünf Sterbephasen des OS10 

Über den Tod und die Trauer spricht niemand gern. Auch ich nicht. Nichtsdestotrotz habe ich mir einmal die Mühe gemacht, das Thema OS10 auf ein bekanntes Sterbephasenmodell von Frau  Elisabeth Kübler-Ross zu projizieren.

Ich hoffe ihr lest es mit etwas Homor und nehmt die Worte nicht allzu ernst. Vielleicht findet sich ja auch der ein oder andere in einer dieser Phasen wieder.

Ein besonderer Dank geht an das Team von bbm.world für die graphische Unterstützung.

1.Phase: Nicht-wahrhaben-Wollen und Isolierung

(Der englischsprachige Origninaltitel lautet: Denial, auch übersetzbar mit Verleugnung, dem Abstreiten einer Tatsache)

Der Betroffene will die Diagnose des Endes nicht wahrhaben, die Sterblichkeit liegt außerhalb seiner Vorstellungskraft. Er verdrängt sie und erlebt einen Schock. Er glaubt an Verwechslungen und Irrtümer, schiebt alles auf die Unfähigkeit von BlackBerry und seinem Management. Oft sucht er in Foren, nach Hoffnung, und danach, dass ihm jemand etwas anderes sagen kann.

In dieser Phase werden noch Zukunftspläne geschmiedet, Man legt besonderen Wert auf seine äußere Erscheinung, wie Tastatur und das einmalige Design. Trotzdem kreisen die Gedanken ständig um das Todesproblem. Er ahnt das Ende und spürt, wenn er von seinem Umfeld angelogen wird und ihm Informationen verheimlicht werden. Gerade das Schweigen des Managements signalisiert ihm, dass er über seine Ängste nicht reden sollte. Viele OS10’er fordern daher, ihnen die Warheit ‎zu sagen. ‎‎

2. Phase: Zorn und Ärger

(engl.: Anger)

In der zweiten Phase folgt auf das Nichtwahrhabenwollen meist Zorn, Groll, Wut, Neid. Denn der Betroffene stellt sich die Frage: „Warum denn gerade OS10?“ Der Nutzer richtet seinen Zorn gegen diejenigen, die weiterleben dürfen, also Android und IOS, da er das Ende vom eigenen Betriebssystem nicht direkt angreifen kann. Die so „Angegriffenen“ sollten sich von den Anschuldigungen und Beschimpfungen nicht persönlich angesprochen fühlen und nicht selbst aggressiv reagieren. Vielmehr sollten sie sich in die Lage des Trauernden hineinversetzen und ihm die Möglichkeit geben, über seine Probleme und Ängste offen reden zu können. Denn wenn der Betroffene sich verstanden fühlt und ihm Hilfe zugesichert wird, werden die begründeten sowie die unbegründeten Aggressionen am schnellsten wieder abgebaut.

Allerdings gehen manche mit ihrem provozierendem Verhalten immer weiter, um ihre Umgebung zu „testen“: „Man behandelt mich mit Samthandschuhen, da es sowieso bald vorbei sein wird mit OS10.“ In so einem Fall hilft auch nur Wahrhaftigkeit weiter: Der OS10’er wird als erwachsene Persönlichkeit betrachtet und nicht als „armes Hascherl“, das vor jeglicher Auseinandersetzung geschützt werden müsse. Diese Sichtweise erlaubt auch deutliche Kritik an unangemessenem Verhalten. Fühlt sich der OS10’er ernst genommen, legt er meistens die schikanösen Verhaltensweisen ab. Damit ist auch einer Eskalation der Situation vorgebeugt. ‎

3. Phase: Verhandeln

(engl.: Bargaining)

In der, meist kurzen, dritten Phase erkennt der Betroffene das bevorstehende Ende an, dennoch versucht er zu verhandeln. Er „verhandelt“ mit dem Schicksal und mit Gott. Er besucht plötzlich die Kirche, legt Gelübde und Versprechen ab und es wird um Aufschub gebeten. Andere Betriebssysteme sollten versuchen, im Sinne der Wahrhaftigkeit‎ die Hoffnungen auf einen realistischen Hintergrund zurückzuführen und keine falschen Hoffnungen wecken. Als Wünsche dürfen aber auch unrealistische Äußerungen stehen bleiben.

4. Phase: Depressive Phase

(engl.: Depression)

Die Depression ist vor allem durch eine hoffnungslose innere Leere und durch Sinnlosigkeitsgefühle gekennzeichnet. Der OS10’er trauert um das, was er mit dem Ende verlieren wird, um das, was ihm wichtig war. Er bereut vielleicht zurückliegende Versäumnisse, erinnert sich an frühere Ereignisse und Probleme, die er jetzt nicht mehr lösen kann. Das kann in ihm Kummer und Schuldgefühle erwecken. Es ist ihm aber vielleicht auch möglich geworden, sich mit der Realität des Endes auseinanderzusetzen und z.B. eine Aussöhnung herbeizuführen.‎

Doch auch in dieser Phase gibt der OS10’er die Hoffnung nicht auf. Er hofft immer noch auf eine Genesung oder zumindest auf einen Stillstand. Wenn diese, meist unrealistischen, Hoffnungen nicht eintreffen, hofft er wenigstens auf ein gutes, möglichst schmerzfreies Ende. ‎Dem OS10’er sollte ermöglicht werden, seine Trauer auszudrücken; sein Umfeld muss jetzt Trauer und Traurigkeit zulassen und aushalten können. Für ihn da zu sein, wenn er das Gespräch sucht, und ihn allein lassen zu können, wenn ihm eher hiernach ist, erfordert gutes Einfühlungsvermögen. Um der stetigen Belastung in dieser auch als Krise empfundenen Zeit zu begegnen, ist es für Blackdroiden notwendig, sich selbst darüber nicht zu vergessen und sich ggf. Unterstützung zu sichern, sei es durch Gespräche mit verständnisvollen Freunden oder auch durch beruflich mit dem Thema befasste Berater. In diesem Zusammenhang sei auf die verschiedenen Beratungsstellen hingewiesen, die inzwischen an vielen Orten kostenlose Unterstützung – nicht nur für die OS10’er anbieten (z.B. das Team vom bbsc-deutschland.de)‎

5. Phase: Zustimmung

(engl.: Acceptance)

In dieser letzten – fünften – Phase nimmt der Betroffene sein Schicksal an und willigt darin ein. Es bestehen zwar immer noch schwache Hoffnungen, nicht das geliebte OS10 hergeben zu müssen, doch ansonsten ist diese Phase frei von solchen starken Gefühlen, wie sie in den vorangegangenen Phasen eingestürmt sind. Er ist jetzt körperlich und geistig erschöpft, schläft viel und möchte häufig nicht gestört werden. Meist kann und will er sich nur noch mit wenigen Worten und Gesten verständigen.

Er beginnt, sich von seiner Umwelt abzunabeln; er isoliert sich, möchte kaum oder keinen Besuch mehr, auch lange Gespräche werden ihm zuviel. Das kann von manch wohlmeinenden Besucher als Zurückweisung empfunden werden und löst möglicherweise Schuldgefühle aus. Vorher wichtige Beschäftigungen wie Fernsehen, Lesen oder Musik hören, werden für den OS10’er zunehmend uninteressanter, können von ihm sogar als störend empfunden werden. Das kann mit den Vorstellungen Nichtbetroffener kollidieren, die das Ende mit Musik, Kerzen u.Ä. „zelebrieren“ möchten. Der OS10’er scheint sich aber aus der äußeren in eine innere Welt zurückzuziehen und kann mit solchen Wünschen anderer nicht mehr viel anfangen.

Dennoch entwickelt er eine besondere Sensibilität gegenüber seiner Umgebung. Er registriert bereits kleinste Veränderungen im Verhalten der Blackdroiden. Der OS10’er nimmt seine Umgebung wahr, auch wenn er abwesend erscheint. Deshalb ist gerade jetzt ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen gefragt; rücksichtsloses Verhalten, gefühllose oder verletzende Bemerkungen werden als solches vom OS10’er durchaus aufgenommen, auch wenn er nicht mehr reagiert. Dies müssen sich alle bewusst machen, die mit ihm zu tun haben. Das Streicheln über Kopf oder Wange kann in diesem Fall als zu distanzlos erscheinen und sollte nur wirklich Nahestehenden erlaubt sein, die sicher wissen, dass dies vom OS10’er nicht als unangenehm wahrgenommen wird.

3 Gedanken zu „Die fünf Sterbephasen des OS10“

  1. Erkennt sich jemand wieder? In einigen Sätzen sehe ich mich sogar wieder. Schöne Analyse. Zum Glück endet das nicht mit Wahnsinn.

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