Erfahrungsbericht zum Classic

Unser „Stammtester“ Fabian war wieder fleißig und hat den nächsten Erfahrungsbericht für euch verfasst.

Viel Spaß beim lesen.

PDF Download —-  Datenblatt-BlackBerry-Classic


 


Ich habe es wieder getan…in meinem 6. Testbericht geht es diesmal um das BlackBerry Classic.

Ich habe das Gerät auch selbst schon einmal besessen, da dies jedoch bereits über 1 Jahr her ist habe ich mich erneut im Testgeräte-Portfolio des BBSC bedient um euch keinen Erfahrungsbericht aus dem Gedächtnis heraus schreiben zu müssen sondern um euch möglichst sachliche Pro´s und Contra´s liefern zu können.

BBSC-Classic

Rückblick: BlackBerry brachte das Classic als das Unternehmen merkte, dass immer noch viele alteingesessene BlackBerry-Nutzer lieber ihren alten Bold benutzen als auf z.B. das Q10 umzusteigen. Das lag hauptsächlich an dem von vielen lieb gewonnenen, sogenannten Toolbelt, also den Hardware-Tasten für Rufannahme, Optionen, Zurück und Ruf beenden sowie ganz besonders an dem Trackpad, über der QWERTZ-Tastatur. Und eben diesen Toolbelt samt Trackpad hat BlackBerry dann beim Classic wieder „reanimiert“. Ein Schritt zurück quasi denn eigentlich zeichnet sich das BlackBerry OS 10 gerade dadurch aus, dass es komplett ohne Tasten bedient werden kann und eigentlich auch soll. Doch da wollten nicht alle Nutzer mitspielen und so versuchte BlackBerry mit einem Entgegenkommen auch die letzten Bold-Nutzer, die noch auf OS 7 oder älter verharrten, endlich auf die OS 10 Plattform zu ziehen.

Ein Schritt der von Nutzern und Fachpresse seinerzeit gleichermaßen zwiespältig betrachtet und beurteilt wurde. Während die einen das Eingehen BlackBerry´s auf seine Kundenwünsche und die Rückkehr zu einem sinnvollen Feature feierten kritisierten andere wiederum BlackBerry würde sein – zu der Zeit noch verhältnismäßig neues – OS 10 dadurch „aufweichen“ und nicht konsequent genug umsetzen. Alter Tobak wie wir heute wissen, denn das Classic hat BlackBerry weder, wie erhofft, millionenfach neue alte Kunden beschert, noch mit seinen Tasten die weitere Zukunft des OS 10 in irgendeiner Art und Weise beeinflusst.

Genug der Geschichte und Politik, schauen wir uns das im Dezember 2014 erschienene Classic nun einmal etwas näher an.

Da fällt zunächst einmal das durchaus gewollte, dem Bold 9900 ähnelnde Design auf (ich war seinerzeit übrigens selbst auch 9900er-Nutzer und habe das Gerät – bis auf den Akku – geliebt!). Da haben wir zum Einen natürlich den bereits angesprochenen Toolbelt über der Tastatur der jetzt, wie die Tastatur selbst auch, nicht mehr geschwungen wie noch beim Bold sondern geradlinig wie schon bei dem Q10 daherkommt. Das zweite auffällige Designmerkmal aus Bold-Zeiten ist der umlaufende Edelstahlrahmen. Den hatten wir zwar auch schon beim Q10, allerdings war er da noch schwarz-matt lackiert und somit kein Blickfang wie beim Bold 9900. Weitere verwandte Design-Applikationen sind die Kameralinse sowie das Blitzlicht und der Modell-Schriftzug auf der Rückseite des Geräts, wobei letzteres nicht in der gleichen Schriftart verfasst wurde wie noch das alte „Bold“.

Es gibt aber auch einige Unterschiede zu den älteren Geräten Bold und Q10. Der Wichtigste dürfe der nun fest verbaute Akku sein, was einige Nutzer auch ärgern dürfte. Des Weiteren fällt die neue Rückseite auf, die jetzt nicht mehr in Kohlefaseroptik gehalten ist sondern nun gummiert und genoppt daherkommt. Das sieht nicht schlecht aus und fühlt sich auch gut an, passt aber irgendwie doch nicht so 100% zu dem sonst hohen Niveau von Design und Haptik, hier hätte es ruhig etwas mehr, etwas edler sein dürfen. Ich persönlich hätte an dem Classic gerne eine schwarze Kunstlederrückseite gesehen, aber das ist nur mein Geschmack den sicher nicht jeder teilt 😉

Alles in allem gibt es aber an Materialauswahl, Haptik und Verarbeitung wenig auszusetzen, es ist durchgehend recht hochwertig. Mir ist lediglich bei meinem eigenen, als auch bei dem Testgerät aufgefallen, dass das Trackpad nicht 100% gerade eingesetzt ist, es steigt nach rechts hin leicht an. Mit einem Lineal braucht man gar nicht erst versuchen den Unterschied zu messen, er befindet sich deutlich unter 1mm, aber für das menschliche Auge doch noch wahrnehmbar. Ein Blick in die Google-Bildersuche verdeutlicht, dass es nicht nur wenige Geräte betrifft sondern vielmehr bei fast jedem Classic auftritt. Das Ganze hört sich jetzt schlimmer an als es ist, wer sich ein Classic zulegen möchte und unsicher ist sollte sich vorher einige Bilder bei Google anschauen, mich hat es nicht gestört. Das scheint aber auch soweit der einzige Patzer in der Verarbeitung zu sein. Zwar gibt es hier und da Berichte von Nutzern, nach denen die Einschübe für die (Nano)SIM- und Micro-SD-Karte nicht ganz bündig mit dem Gehäuserahmen, in welchem diese eingelassen sind, abschließen und das der USB-Anschluss nicht ganz sauber verarbeitet wäre, diese Makel konnte ich aber bei meinen Geräten nicht feststellen und auch die Google-Suche lässt hier nicht auf einen grundsätzlichen Fertigungsfehler schließen, es scheint sicher eher um wenige Einzelfälle zu handeln.

Das Classic liegt gut in der Hand und lässt sich auch – oder besser vor Allem – wegen des Toolbelts wunderbar einhändig bedienen. Das Gewicht beträgt fast 180g und somit gut 50g mehr als beim Bold 9900. Das ist natürlich vor allem den verwendeten Materialien sowie dem großen Akku geschuldet, fällt aber nicht negativ auf sondern passt vielmehr zu den Gerätemaßen, die im Vergleich zum Q10 etwas und zum Bold deutlich gestiegen sind. Somit ist das Classic – auch wenn es sich noch einhändig bedienen lässt – längst nicht so handlich wie das Q10 oder gar das Bold. Dafür ist natürlich auch das Display in der Größe gewachsen, gegenüber dem Q10 um 0,4 Zoll und gegenüber dem Bold 9900 sogar um 0,7 Zoll. Ein größeres Display ist ja immer ganz schön, wäre im Fall des Classic aber meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig gewesen. Denn dank des Trackpad und den zusätzlichen Tasten des Toolbelt kann man das Classic nahezu komplett ohne Touch auf das Display bedienen. Das größere Display dient somit eigentlich nur für mehr Anzeige, für eine bessere Bedienung im OS ist es nicht zwingend erforderlich. Mir persönlich wäre eine Gerätegröße irgendwo zwischen dem 9900 und dem Q10 der Handlichkeit wegen lieber gewesen aber damit stehe ich vermutlich ziemlich allein auf weiter Flur, die meisten Nutzer bevorzugen ja heute eher größere Geräte mit größerem Display. Damit das nicht falsch verstanden wird, ich benutze persönlich unter anderem ein Passport, also ein Gerät jenseits von klein und handlich. Aber gerade beim Classic wären die Gegebenheiten für ein enorm handliches Gerät eben perfekt gewesen. Das Classic hat übrigens in etwa die Abmessungen eines Galaxy S4, ist also nicht gerade klein.BlackBerry Classic Unites Old and New, Available Now - IGN

Kommen wir nochmal auf das Display zurück, dieses hat wie bereits das Q10 und Q5 eine Auflösung von 720×720 Pixel und bedingt durch das etwas größere Display eine dementsprechend „schlechtere“ Pixeldichte von 294 gegenüber 330ppi. Das „schlecht“ muss man unbedingt in Anführungszeichen setzen denn schlechter als bei den beiden vorher genannten Geräten ist die Anzeige keineswegs, im Gegenteil, für mich ist sie die Beste der 3 Brüder. Als LC-Display naturgemäß strahlend hell, schöne, natürliche Farben, blickwinkelstabil und ein recht guter Schwarzwert und Kontrast. Ganz klar, nach Passport und Z10 kommt das Classic an 3. Stelle in meiner Display-Bestenliste der BlackBerry´s. Die 36ppi weniger zu Q5 und Q10 fallen überhaupt nicht auf, im Gegenteil, beim Q10 kann man bedingt durch die verwendete Pentile-Matrix des LED-Display trotz höherer Schärfe eher Pixel erkennen als beim Classic.

Nur nebenbei, der Bold 9900 hatte eine Auflösung von 480×640 Pixel und kam somit auf eine Pixeldichte von 287ppi, nicht schlecht für ANNO 2011!

Hardwaretechnisch hat sich beim Classic im Gegensatz zum Q10 gar nichts getan. Wir haben wieder einen 1,5 GHZ Dualcore-Prozessor MSM8960 von Qualcomm dem 2GB RAM zur Seite stehen. Da muss sich BlackBerry nicht ganz zu Unrecht gefallen lassen, dass sie in ein – damals neues – Gerät die gleiche Hardware wie in einem bereits 1,5 Jahre Älterem verbaut haben. Nun muss man fairerweise sagen, dass sich das im normalen Gebrauch nicht unbedingt bemerkbar macht und kaum jemand wird auf die Idee kommen auf dem kleinen, rechteckigen Display großartige 3D-Spiele zu spielen. Andererseits gibt es natürlich auch z.B. recht anspruchsvolle Internetseiten oder z.B. beim Schieben von Daten auf die Speicherkarte wo mehr Hardware immer von Vorteil ist. Unterm Strich kann ich aber sagen, dass sich mit dem Classic im Alltag ausreichend schnell arbeiten lässt. Klar ist das Passport schneller!

Der Akku des Classic hat eine Kapazität von 2515mAh und ist damit ordentlich groß bemessen. Leider ist er wie weiter oben bereits erwähnt fest verbaut und folgt damit den meisten anderen Herstellern heute und auch bereits einigen anderen BlackBerry OS 10 Geräten. Eine Philosophie die ich nicht teile, dafür habe ich schon zu viele aufgeblähte, defekte oder zu früh erschöpfte Akkus gesehen. Was tun in so einem Fall bei einem Produkt von einem Hersteller der in Deutschland keinen offiziellen Support anbietet? Außerdem wird das Smartphone damit nach 2-3 Jahren automatisch zum Wegwerfprodukt denn nachweislich haben nach dieser Zeit die meisten Akkus um die 50% Ihrer Kapazität verloren. Mit einem austauschbaren Akku könnte das Gerät noch ein 2. , 3. und 4. Leben haben. Aber das ist wieder nur meine Meinung und soll das Classic nicht abwerten, der Akku reicht problemlos um durch den Tag zu kommen, und wenn man nachhaltig mit dem Gerät umgeht sind auch 2 – 3 Tage durchaus möglich. Das ist natürlich ein deutliches Plus gegenüber dem Bold 9900 dessen Akku leider eine Katastrophe war.

Die Verbindungen sowohl für Sprache als auch für Datenpakete waren wieder mal wie von BlackBerry gewohnt einwandfrei. Die Sprachqualität ist überaus deutlich ohne störende Nebengeräusche, sowohl für den Anrufer als auch für den Angerufenen. Die Empfangsqualität war ebenfalls immer bestens und stets etwas besser als bei Geräten der Konkurrenz im gleichen Netz, egal ob E, 3G, HSPA oder LTE. Man muss es immer wieder betonen, in dieser Disziplin ist BlackBerry das Maß der Dinge! Gut so!

Wie gewohnt ist leider auch wieder die Kamera, nämlich wie gewohnt Mittelmaß. An dieser Stelle möchte ich einfach mal auf meine Testberichte vom BlackBerry Q10 und Leap verweisen in denen ich auf die Kamera eingegangen bin. Ich kann beim Classic keinen Unterschied zu eben genannten Geräten feststellen und möchte daher nicht großumfänglich auf die Kamera eingehen. Sie erfüllt ihren Zweck mit den bekannten Macken bei Autofokus und HDR und hat noch Luft nach oben in der Qualität.

Den Toolbelt und das Trackpad habe ich besonders ins Herz geschlossen. Als ehemaliger Bold-Nutzer fühlt man sich direkt an alte Zeiten erinnert, im positiven Sinne. Denn man erreicht einen unglaublich hohen – wie sagt man so schön – Workflow, der bei OS 10 ohnehin schon recht hoch ist. Wie ein Wiesel flutscht man mit dem Trackpad durch die Menüs, wenn man den Dreh erst einmal raus hat, denn etwas Eingewöhnung ist vonnöten. Wenn man das aber erst einmal verinnerlicht hat ist man aber schneller als man es mit dem Finger auf dem Display sein könnte. Man kann eigentlich das komplette System nur mit dem Trackpad und den Tasten bedienen, ohne das ein Touch nötig ist. Auch die Tasten zum Ruf annehmen und beenden habe ich sehr gerne wieder benutzt und hätte ich sehr gerne heute wieder öfter, ein viel höherer Komfort als auf dem Display erst einmal ins Telefonmenü wischen zu müssen, finde ich. Ganz klar, auch wenn das Passport eine kapazitive Tastatur benutzt, an das Trackpad des Classic kommt diese nicht dran und so würde ein Toolbelt auch dem Passport gut stehen!

Mein Fazit: Das Classic ist ein sehr eleganter, gut verarbeiteter BlackBerry der an alte Tugenden erinnert. Durch die verwendeten Materialien wie dem Edelstahlrahmen und dem relativ hohem Gewicht macht es einiges her. Die Integration des „alten“ Toolbelts samt Trackpad ins neue System ist durchaus gelungen und ermöglicht ein angenehmes, hohes Arbeitstempo bei möglichst geringem Aufwand. Auch macht der Toolbelt das einhändige Bedienen des doch recht großen Gerätes erst möglich. Und vor allem macht die Bedienung mit den wiederentdeckten Tasten richtig Spaß! Das Display ist verhältnismäßig groß und sehr hell, der Akku hält problemlos einen Tag durch. Wer also ein Q10 oder sogar noch einen Bold besitzt und über ein Upgrade auf das Classic nachdenkt dem kann ich es auf jeden Fall empfehlen! Und außerdem kann ich bestätigen, dass der Toolbelt und das Trackpad auch mit OS 10 nicht überflüssig sind sondern durchaus noch ihre Daseinsberechtigung haben.

Gruß BBSC Fabian