….und der nächste Leap Erfahrungsbericht

Unser „Stammtester“ Fabian hat im Rahmen der OS10 Testhandy-Aktion wieder „zugeschlagen“.

Dieses mal wurde das Leap 14 Tage auf seine Alltagstauglichkeit getestet.


 

BlackBerry Leap
BlackBerry Leap

 

Hallo und herzlich Willkommen zu meinem 5. BBSC-Testgeräte-Bericht!

Dieses Mal habe ich mich 2 Wochen mit dem BlackBerry Leap beschäftigt, nach dem Z10 und dem Z30 das 3. Full-Touch-Gerät der Kanadier. Technisch eher ein Z10, dessen Nachfolge das Leap auch antreten soll und somit von der Hardware nicht mehr ganz taufrisch ist, und von der Größe eher ein Z30 welches, obwohl bereits wesentlich älter, technisch besser ausgestattet ist als der Neuling.

Für wen ist das Leap gedacht? Laut BlackBerry soll das Leap besonders Jungunternehmer, Berufseinsteiger und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit einem günstigen Businessgerät ausstatten wollen, ansprechen.

Was es taugt und ob es auch für Privatanwender interessant ist…lasst es uns herausfinden.

Schon als das Leap auf den Markt kam habe ich mich für dieses Gerät interessiert, wie bei jedem neuen BlackBerry (und zugegeben auch anderen neuen Smartphones) sofort etliche Testberichte gelesen und sämtliche Unboxing- und Hand-On-Videos sowie Reviews auf YouTube geschaut.

Selten kam das Leap dabei mal gut weg. Zu klobig, zu schwer, technisch veraltet und billig verarbeitet war oft das Resümee. Mit Blockschokolade wurde es auch gerne verglichen.

Mit entsprechend niedrigen Erwartungen packte ich also die Box auf und nahm das Leap zum ersten Mal selbst in die Hand und… war sofort positiv überrascht. Ja, das Leap ist groß und schwer. Und durch die kantige Form ist der Vergleich mit einer Tafel Schokolade gar nicht so weit her geholt, natürlich ist das Leap dann doch nicht so groß wie eben diese. Dafür wirkt das Gerät wie aus einem Block gefräst. Die gesamte Front wird vom Displayglas bedeckt, über und unter dem Display verschwendet BlackBerry mal wieder viel Platz sodass das Gerät unnötig länger wird.

Das Glas der Front ist eingesetzt in den Block der die Rückseite bildet und sich auch um die Seiten nach vorne zieht und so das Glas einfasst. Dieses Teil ist komplett gummiert, an den Seiten glatt und auf der Rückseite genoppt wobei die glatten Seiten nochmal rutschfester sind. So liegt das Leap einwandfrei in der Hand und kann auch auf schrägen Flächen nicht so leicht wegrutschen wie andere Geräte aus Kunststoff, Glas oder Metall. Die Dicke von fast 1cm ist zwar auch nicht mehr zeitgemäß, passt aber zum Gesamtbild des Geräts und wirkt überhaupt nicht störend. Auch das Gewicht von ca. 170 g passt und ist nicht zu schwer.

Auf der Rückseite finden wir sonst noch das silberfarbene, schön in das Noppenmuster eingearbeitete BlackBerry-Logo, ein Lochmuster für den Lautsprecher und ganz oben eine schwarze Zierleiste mit Kamera und Blitz wie schon beim BlackBerry Classic. Auf der komplett schwarzen Front sieht man lediglich den BlackBerry-Schriftzug auf der Unterseite, auf der Oberseite wie gewöhnlich die Hörmuschel, die 2-MP-Frontkamera sowie diverse Sensoren und die LED.

Das Design ist natürlich Geschmackssache, mir gefällt es jedoch und ich würde es als schlicht, zeitlos und funktional bezeichnen.

Die Verarbeitung ist tadellos, überhaupt keine Spur von billig verarbeitet. Selbst die Klappe für SIM- und Micro-SD-Karte, die beim Q5 noch sehr klapprig daher kam, sitzt hier bombenfest und schließt sauber und bündig mit dem Gehäuse ab. Die wenigen Hardware-Knöpfe, 4 Stück an der Zahl, sitzen fest und wackeln nicht, haben aber leider einen sehr schwammigen Druckpunkt, man muss die Knöpfe bis fast ins Gehäuse drücken ehe man selbigen erreicht. Die Anschlüsse sitzen dort wo man sie erwartet, nämlich USB unten und AUX oben. Leider hat BlackBerry ON/OFF- bzw. Entsperren/Sperren-Knopf wieder auf der Oberkante des Geräts platziert oder besser gesagt deplatziert denn ergonomisch ist das nicht und erschwert unnötig die einhändige Bedienung. Warum man diese Taste nicht endlich auf der rechten oder linken Geräteseite anbringt ist mir ein Rätsel.

Besonders erwähnen möchte ich, dass das Leap einen unglaublich robusten Eindruck macht. Ich denke selbst einen Sturz auf einen harten Untergrund würde das Leap locker ohne Beschädigungen wegstecken.

Das Display hat wie bereits erwähnt die gleiche Größe wie das des Z30, nämlich 5“. Auch die Auflösung ist gleich geblieben, 720×1280 Pixel ergeben eine Dichte von 295 ppi was absolut ausreichend ist, die Anzeige ist scharf genug und einzelne Pixel sind gar nicht und Treppchenbildung nur äußerst selten zu erkennen. Trotzdem kommt es somit nicht an die Anzeige des Z10 ran welche mit der gleichen Auflösung auf kleinerem Raum eine Dichte von 356 ppi erreichte und somit nochmals wesentlich schärfer war. Dafür hat das Leap wie schon das Z10 ein LC-Display. Dieses strahlt daher deutlich heller als die Anzeige des Z30, welche ich als zu dunkel bemängelt hatte, und die Farben werden natürlicher dargestellt. Naturgemäß kann der Schwarzwert des Leap-Displays nicht den des AMOLED-Dislplay des Z30 erreichen, aber leider kommt das Leap auch an den Schwarzwert des Z10 nicht heran welcher dort für ein LC-Display sehr gut ist. Auch die Blickwinkelstabilität kann mit den beiden Z´s nicht mithalten, liegt aber noch im Rahmen. Somit bietet von Z10, Z30 und Leap das Z10 meiner Meinung nach immer noch die beste Anzeige.

Die Hardware kann heute nicht mehr besonders begeistern. Ein Snapdragon S4 Dualcore mit 1.5 GHz der, wenn ich richtig recherchiert habe, bereits aus dem Jahr 2012 stammt wird von 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Nun ist das BlackBerry OS 10 ja ähnlich wie iOS eigentlich perfekt auf die Hardware abgestimmt und recht genügsam, allerdings lässt sich das nicht ganz auf das Leap übertragen. Die Kernaufgaben funktionieren problemlos und flüssig, im Hub arbeiten, Kontakte, Kalender, Telefonfunktion, soweit kein Problem. Beim schnellen Wischen zwischen dem Hub, der Desktop-Seite und den App-Seiten merkt man dann schon etwas, dass die Hardware nicht mehr ganz hinterher kommt. Damit wir uns nicht falsch verstehen, wir reden hier von Zehntelsekunden aber es sollte erwähnt werden. Im Browser merkt man es dann noch einmal recht deutlich, aufwendige Internetseiten laden sehr lange und beim Scrollen bauen sich die Seiten nur Stück für Stück auf. Auch im BBM muss man hier und da eine Gedenksekunde ertragen. Keine allzu große Problematik, aber da geht heute mehr.

Der Akku hingegen kann durch und durch begeistern. Zwar ist er fest verbaut, bietet er jedoch mit 2800 mAh genügend Ausdauer für einen ganzen Tag, und damit meine ich nicht nur Arbeitstag. Morgens vom 6 Uhr vom Strom genommen, komme ich bei intensiver Nutzung Abends zwischen 21 und 22 Uhr bei 20% an. Bei zurückhaltender Nutzung sind problemlos auch 2-3 Tage realisierbar. Die Energiesparfunktion hilft dann hervorragend mit den restlichen 20% noch einige Zeit weit zu kommen.

Mit der Kamera war ich – mal wieder – überhaupt nicht zufrieden. Die Kamera hat „nur“ 8 MP, aber es gibt Hersteller die holen hervorragende Ergebnisse daraus. Nicht so BlackBerry. Selbst unter besten Bedingungen im Freien war es mir kaum möglich Fotos zu schießen, die nicht irgendwo verrauscht, verschwommen oder unscharf waren. Bewegte Bilder kann man eigentlich ganz vergessen aber selbst bei stillen Bildern hat die Kamera so Ihre Probleme. Vom Autofocus und HDR-Modus will ich erst gar nicht anfangen, hier habe ich bereits in meinen vorigen Testberichten meinem Ärger Luft gemacht. Auch beim Leap leider wieder unbrauchbar.

Auch die Sprachqualität konnte mich beim Leap nicht so sehr überzeugen wie alle anderen BlackBerry 10 Geräte. Zwar war der Empfang – auch für Datendienste – immer hervorragend, aber leider war beim Telefonieren – egal ob auf Mobil oder Festnetz – immer deutliches Rauschen und im gesamten eine schlechtere Qualität wahrnehmbar als bei den anderen von mir getesteten oder besessenen Geräten. Ob dies nun letztendlich wirklich am Gerät oder nicht doch am Netz lag kann ich natürlich wegen fehlender technischer Möglichkeiten nicht abschließend klären. Auffällig ist es aber allemal, besonders weil die Gesprächsqualität bei allen anderen Geräten bisher immer direkt als hervorragend aufgefallen ist.

So ziehe ich mein Fazit:

Für um die 200€ steigt man derzeit (Stand Nov 15) mit dem Leap in die BlackBerry Welt ein. Ob wie von BlackBerry gewünscht Jungunternehmer und Berufseinsteiger da mitmachen kann ich auch nach meinem Testzeitraum nicht beurteilen, wohl aber, dass das Gerät für Unternehmen, die Ihren Mitarbeitern ein robustes und günstiges BlackBerry-Gerät an die Hand geben wollen, geeignet ist. Denn genau das ist es, äußerst robust und günstig.

Das Design und die Haptik / Verarbeitung haben mir gefallen und leisten nur kleine Patzer wie die schwammigen Druckpunkte oder der deplatzierte AN-Schalter auf der Oberkante.

Das Display kommt zwar in seiner Darstellung nicht an das Z10 heran, ist dafür aber wesentlich heller als das des Z30 welches mir zu dunkel war. Der Akku gefällt mit seiner langen Ausdauer, die Hardware, die Gesprächsqualität und vor allem die Kamera lassen aber viel Luft nach oben.

Hier merkt man möglicherweise wo BlackBerry den Rotstift angesetzt hat denn für ca. 200€ muss man irgendwo Abstriche machen im Vergleich zu z.B. einem Z30.

So würde ich persönlich nach 2 Wochen Leap-Nutzung eher zu einem neuen Z30 für ca. 80-100€ mehr oder zu einem gebrauchten Z30 für etwa auch 200€ raten.